Egal, ob für Autos mit Wasserstoffantrieb oder für die Industrie – Wasserstoff muss nach der Herstellung zu seinen Abnehmern transportiert werden. Das ist bei diesem Energieträger nicht so einfach. Denn er muss auf minus 253 Grad heruntergekühlt und unter großen Druck gesetzt werden, bis er sich verflüssigt.
In Deutschland wollen Fernleitungsbetreiber einen Teil der bereits vorhandenen Erdgasleitungen nutzen, um den Wasserstoff zu verteilen. Etwa zehn Prozent der benötigten Strecke soll neu gebaut werden.
Eine andere Idee, Wasserstoff zu transportieren, verfolgt das deutsche Unternehmen Hydrogenious. Es hat ein neues Konzept entwickelt, um den Energieträger chemisch zu speichern. Das funktioniert mithilfe sogenannter LOHC (= Liquid Organic Hydrogen Carriers, übersetzt: flüssige organische Wasserstoff-Träger). Dabei handelt es sich um eine Art Öl, das als Trägerflüssigkeit für den Wasserstoff verwendet wird. Mithilfe verschiedener Katalysatoren und Hitze wird dieser an das Öl gebunden. In dem Spezialöl lässt er sich leichter transportieren und lagern. An einer Tankstelle angekommen, wird der Wasserstoff aus dem Öl extrahiert.
Vorteil der LOHC-Technologie
Um ein Kilogramm Wasserstoff zu speichern, benötigte man bisher eine Druckflasche, die in etwa so groß wie ein Mensch ist. Mit der LOHC-Technik reicht ein 20-Liter-Kanister für die gleiche Menge Wasserstoff aus. So kann künftig mehr Wasserstoff zu Tankstellen transportiert werden. Große Anlagen, die dem Speichermedium den Wasserstoff entziehen, müssen jedoch noch gebaut werden.
Weitere Herausforderungen: Diese Anlagen benötigen viel Strom für die Extraktion, der aus erneuerbaren Energiequellen kommen müsste. Zudem gibt es in ganz Europa noch viel zu wenige Wasserstoff-Tankstellen, damit Pkw, Busse und Züge den alternativen Kraftstoff nutzen können.
Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland
Wenn Sie ein Wasserstoff-Auto kaufen wollen, finden Sie im Moment kaum eine entsprechende Tankstelle. Ende August 2021 gab es in Deutschland gerade einmal 92 H2-Tankstellen. Etwa zehn weitere befinden sich noch in Planung oder im Bau. Zum Vergleich: An etwa 15.000 Tankstellen in Deutschland können Sie dagegen Benzin oder Diesel zapfen. Die EU fördert den Bau von 400 weiteren Wasserstoff-Tankstellen in den Mitgliedstaaten bis 2023.