In der Kinderkieferorthopädie geht es darum, Zahn- und Kieferfehlstellungen möglichst früh zu erkennen und zu beseitigen. Bei der Untersuchung prüft der Kieferspezialist deshalb, ob die Zähne im Ober- und Unterkiefer optimal zusammenpassen und gerade im Kiefer stehen.
In der Regel ist eine kieferorthopädische Behandlung nötig, wenn das Kindergebiss diese Fehlstellungen aufweist:
Offener Biss
Treffen die oberen und unteren Schneidezähne beim Zusammenbeißen nicht aufeinander und bilden stattdessen eine Lücke, sprechen Kieferorthopäden von einem offenen Biss.
Die Ursache dafür sind häufig sogenannte Habits. Ärzte verstehen darunter „schlechte Angewohnheiten“ von Kindern wie Daumenlutschen, Nuckeln, Lippenbeißen oder Zungenpressen (die Zunge drückt von innen gegen die oberen oder unteren Schneidezähne). Der Grund: Lutscht ein Kind sehr lange am Daumen oder nuckelt es ausgiebig am Schnuller, kann sich der Kiefer verformen und die Schneidezähne werden zur Seite gedrückt. Deshalb tritt ein offener Biss vor allem bei Kleinkindern auf.
Behandlung in der Kinderkieferorthopädie: Der offene Biss muss nicht unbedingt kieferorthopädisch behandelt werden. Häufig reicht es aus, wenn Sie Ihrem Kind die „schlechte Angewohnheit“ möglichst rasch abgewöhnen. Je jünger das Kind dabei ist, umso eher wächst sich der offene Biss aus. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt Eltern, zwischen dem siebten Monat und dem ersten Lebensjahr damit zu beginnen, ihrem Nachwuchs den Schnuller abzugewöhnen. Spätestens ab dem dritten Lebensjahr sollten die Kleinen ohne Nuckel auskommen.
Kreuzbiss
Beim Kreuzbiss beißen Kinder die Seitenzähne nicht korrekt aufeinander. Dabei stehen entweder die Seitenzähne im Oberkiefer zu weit innen oder die Seitenzähne im Unterkiefer zu weit außen. Der Fehlbiss tritt entweder auf einer Seite oder beidseitig auf. Die Ursache ist meist ein zu kleiner Oberkiefer aufgrund von Wachstumsstörungen. Kinder mit einem Kreuzbiss haben meist Schwierigkeiten, wenn sie sprechen, kauen und atmen. Unbehandelt wächst das Gesicht asymmetrisch weiter. Da beim einseitigen Kreuzbiss die Kiefergelenke nicht gleichmäßig belastet werden, nutzen sich die Zähne vorzeitig ab. Außerdem treten häufig Verspannungen und Migräne auf.
Behandlung in der Kinderkieferorthopädie: Kieferspezialisten empfehlen, einen Kreuzbiss mit einer Zahnspange so früh wie möglich zu behandeln.
Großer Überbiss
Steht der Oberkiefer im Verhältnis zum Unterkiefer zu weit vor, handelt es sich um einen großen bzw. vergrößerten Überbiss. Die Ursache: Der Oberkiefer ist wachstumsbedingt zu groß bzw. der Unterkiefer zu klein. Bei diesem Fehlbiss haben die oberen Schneidezähne zu viel Abstand zu den Unteren (beim normalen Gebiss sind es zwischen 2 und 3 Millimeter). Das Risiko, dass sich das Kind etwa bei einem Sturz vom Fahrrad oder beim Ballspielen die oberen Schneidezähne verletzt, ist sehr hoch.
Behandlung in der Kinderkieferorthopädie: Je nachdem, wie stark der Überbiss ausgeprägt ist, raten Kieferspezialisten zu einer kieferorthopädischen Frühbehandlung. Auch bei einem Überbiss kommt eine Zahnspange infrage, um den Kiefer zu regulieren.
Vorbiss oder umgekehrter Überbiss
Bei dieser Kieferfehlstellung stehen die Schneidezähne im Unterkiefer weiter vorne als die im Oberkiefer. Der Grund ist in diesem Fall ein zu kleiner Oberkiefer. Kinder mit diesem Fehlbiss leiden häufig unter den optischen Auswirkungen wie einem stark ausgeprägten Kinn, einer großen Unterlippe und einem flachen Gesichtsprofil. Außerdem haben sie Schwierigkeiten, wenn sie sprechen oder von etwas abbeißen wollen.
Behandlung in der Kinderkieferorthopädie: Um den Vorbiss zu beheben, nutzen Kieferorthopäden die Wachstumsphase des Kiefers und empfehlen daher eine Frühbehandlung mit einer Zahnspange. Dies sollte vor dem achten oder neunten Lebensjahr passieren. Grund dafür: Ab einem Alter von etwa 14 Jahren ist der Kiefer ausgewachsen und eine Behandlung entsprechend schwieriger. In manchen Fällen ist dann zusätzlich ein chirurgischer Eingriff nötig.
Tief- und Deckbiss
Überlappen die oberen Schneidezähne die unteren um mehr als 3,5 Millimeter (beim normalen Gebiss sind es 2 bis 3 Millimeter), handelt es sich um einen Tiefbiss. Sind die oberen Schneidezähne zusätzlich nach hinten gekippt, sprechen Ärzte der Kinderkieferorthopädie von einem Deckbiss. Leidet Ihr Kind unter diesen Fehlbissen, können die oberen Schneidezähne bis zum Zahnfleisch des Unterkiefers bzw. die unteren bis zum Gaumen reichen. So kann sich das Kind selbst die Schleimhaut verletzen, wenn es sich ins Zahnfleisch oder den Gaumen beißt. Kinder mit dieser Fehlstellung haben zudem häufig Schmerzen, wenn sie kauen oder sprechen. Hinzu kommen in vielen Fällen Beschwerden mit den Kiefergelenken.
Behandlung in der Kinderkieferorthopädie: Der Tief- und Deckbiss ist meist genetisch bedingt, sodass ihn Kieferspezialisten sehr früh feststellen können. Im Kindesalter behandeln sie ihn in der Regel mit einer herausnehmbaren bzw. losen Zahnspange.
Lese-Tipp: Erfahren Sie im Ratgeber, was eine
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