Typische Hörgeräte-Arten im Überblick

Das Wichtigste in Kürze

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Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Hörgeräten: hinter dem Ohr oder direkt im Ohr.
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Auch Technologie und Bauform sind wichtige Unterscheidungsmerkmale verschiedener Arten von Hörgeräten
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Um das passende Hörsystem zu finden, machen Sie zunächst einen Hörtest. Der Experte berät Sie und erstellt eine Hörgeräte-Verordnung für Ihre Krankenversicherung. Anschließend bekommen Sie ein Hörgerät zum Probetragen.
Grundlegende Fakten zu den verschiedenen Arten von Hörgeräten
„Was hast du gesagt?“ Für viele Menschen mit Schwerhörigkeit zählt diese Frage zum Alltag. Dabei ist es egal, ob diese Beeinträchtigung angeboren oder „erworben“ wurde – mit einem Hörgerät lässt sie sich oft beheben oder zumindest mindern. Welche Arten von Hörgeräten es gibt und für wen sie sich eignen, lesen Sie in diesem Ratgeber.
So unterscheiden sich verschiedene Arten von Hörgeräten
Die meisten Hörhilfen lassen sich in zwei Arten unterteilen:
- Hörgeräte, die Sie im Ohr tragen
- Hörgeräte, die hinter dem Ohr sitzen
Diese beiden Varianten untergliedern sich weiter nach Bauform, Leistung und Technologie. Bei der Bauform beispielsweise in offene und geschlossene Versorgung. Und bei der Technologie in digitale und analoge Geräte – allerdings zählen fast alle neueren Varianten zu den digitalen Modellen.
Falls weder Hörgeräte hinter dem Ohr noch im Ohr zu Ihnen passen, gibt es weitere Spezialvarianten. Dazu zählen beispielsweise Cochlea-Implantate. Alle Details zu den einzelnen Arten von Hörgeräten lesen Sie weiter unten.
Hörtest & Co. – so bekommen Sie ein passendes Hörsystem
Um das richtige Hörgerät zu finden, führen Sie zunächst einen Hörtest beim HNO-Arzt oder einem entsprechenden Akustiker durch. So kann der Experte ermitteln, wie schwergradig Ihre Beeinträchtigung ist. Er wertet die Hörtest-Ergebnisse im Vergleich zu den Normalwerten aus, und berät Sie zu den nächsten Schritten.
Übrigens: Auch wenn man ein höherwertiges Hörgerät wünscht, aber auf den GKV-Zuschuss nicht verzichten möchte, ist eine Verordnung vom HNO-Arzt vonnöten.
Gut zu wissen: Verschiedene Hörgeräte-Hersteller bieten auch kostenlose Online-Hörtests an. Der Nachteil: Umgebungsgeräusche beeinflussen möglicherweise Ihre Ergebnisse. Außerdem fehlt die individuelle Beratung durch den Experten.
Waren Sie bei einem HNO-Arzt, wenden Sie sich mit dessen Empfehlungen an einen Hörgeräte-Akustiker. Dieser schlägt Ihnen ein Hörgerät vor, das Sie anschließend für einen bestimmten Zeitraum Probetragen. Meist können Sie die Hörhilfe für ein bis zwei Wochen testen. Das ist auch deswegen wichtig, weil die Gewöhnungszeit an ein Hörgerät relativ lang ist.
Ihr Akustiker gibt Ihnen Tipps, worauf Sie dabei achten sollten – zum Beispiel, wie Sie Gespräche wahrnehmen. Hilfreich ist auch ein Tagebuch, in dem Sie Ihre Erfahrungen mit dem Hörgerät notieren.
Hier können Sie Hörgeräte kaufen
Sie erhalten verschiedene Arten von Hörgeräten in spezialisierten Fachgeschäften oder beim Hörakustiker. Sie können Hörgeräte auch online kaufen – allerdings raten Experten davon ab. Der Grund: Die angebotenen Modelle sind oft von geringer bis mäßiger Qualität. Außerdem sind Sie oft zusätzlich noch auf die Beratung eines Akustikers angewiesen, um das System entsprechend Ihrer Bedürfnisse einzustellen.
Mögliche Nebenwirkungen von Hörgeräten
Während der Eingewöhnungsphase können durch Ihr Hörgerät Nebenwirkungen entstehen –beispielsweise:
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Juckreiz
- Nebengeräusche
- Ohrenschmerzen
- allergische Reaktionen
Normalerweise verschwinden diese Symptome jedoch nach der kurzen Eingewöhnungszeit wieder. Die Vorteile der Hörsysteme überwiegen daher eindeutig. Zumal einige Studien festgestellt haben, dass Hörgeräte präventiv gegen Demenz helfen können.
Hörgeräte im Ohr, hinter dem Ohr und weitere Varianten im Detail
Hörgeräte im Ohr (IdO-Geräte) – Varianten, Vorteile und Nachteile
Hörgeräte, die direkt im Ohr sitzen, werden auch als In-Ear-Hörgerät bezeichnet. Diese Variante sitzt entweder in der Ohrmuschel (Concha-Modelle, ITE-Modelle) oder im Gehörgang (ITC-Modelle). Bei den kleinsten Hörgeräten, die komplett im Ohr „verschwinden“, handelt es sich um CiC-(Completely-in-the-Channel)-Modelle.
Im Gegensatz zu anderen Modellen steuern Sie bei Hörgeräten in Ihrem Ohr die Lautstärke über eine Fernbedienung oder App.
Diese Modelle haben folgende Vorzüge:
- Im Gegensatz zu anderen Hörgeräten sind sie nahezu unsichtbar.
- Wegen der Trage-Art eignen sich diese Hörgeräte besonders gut für Brillenträger.
- Aus dem gleichen Grund sind sie angenehmer beim Sport.
- Modelle, die komplett im Gehörkanal sitzen, nutzen natürlichen Schall.
Zu den Nachteilen der Hörgeräte im Ohr zählen:
- Sie helfen nur bei leichtem bis mittlerem Hörverlust.
- Je nach Größe und Form Ihres Gehörgangs können die Geräte für Sie ungeeignet sein.
- Oft machen die Geräte schneller schlapp – das heißt, Sie müssen häufiger die Batterie wechseln.
Hörgeräte hinter dem Ohr (HdO-Geräte) – Varianten, Vorteile und Nachteile
Diese Geräte tragen Sie leicht oberhalb der Ohrmuschel. Ein dünner Kunststoffschlauch leitet den Schall zu einem Gegenstück im äußeren Gehörgang. Dieses überträgt den Ton wiederum an Ihr Trommelfell.
Eine besondere Variante ist das Ex-Hörer-Modell, auch RiC-Hörgerät oder -Hörsystem genannt (RiC = Receiver in Canal). Hier befindet sich der Lautsprecher im Ohr. Außerdem erhalten Sie beim Spezialisten auch Mini-Varianten der Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte.
Diese Geräte haben folgende Vorteile:
- In diese Varianten passen Batterien mit größerem Energiespeicher.
- Einige Hörgeräte dieser Art sind mit einem Akku ausgestattet.
- Lautstärke und Programm lassen sich über Tasten leichter regeln.
- Für Fernseher, Stereoanlage & Co. sind diese Hörgeräte optimal – sie lassen sich mit Bluetooth, Infrarot oder Funk einfach verbinden.
Folgende Nachteile gibt es bei Hörgeräten hinter dem Ohr:
- Sie sind deutlich größer und auffälliger.
- Diese Hörgeräte sind für Brillenträger nicht so gut geeignet.
Spezielle Arten von Hörgeräten
- Knochenleitungshörgeräte – diese Variante ähnelt einer Art Brille. Wie der Name schon sagt, überträgt sich hier der Schall über die Bügel auf die Schädelknochen. Dieses Hörsystem eignet sich besonders für Sie, wenn Sie häufig an Mittelohrentzündungen leiden.
- Im Knochen verankerte Hörgeräte (BAHA) – bei diesen Modellen braucht es eine Titanschraube als Implantat. Daran befestigt der Experte das Gerät mit einem speziellen Verschluss. Diese Variante eignet sich bei bestimmten Erkrankungen und Fehlformungen des Ohres.
- Cochlea-Implantate – sind Sie komplett gehörlos oder taub, ist dies Ihr passendes Hörsystem. Es besteht aus einem äußeren und einem implantierten System. Zu ersterem zählen das Mikrofon, der Sprachprozessor und Akku. Implantiert sind unter anderem der Signalprozessor und Elektroden zur Stimulierung des Hörnervs.
- Hirnstamm-Implantate – ist auch der Hörnerv geschädigt, kann ein Arzt entsprechende Bestandteile direkt ins Gehirn implantieren.
Übrigens: Mehr Informationen zu den Preisen von Hörgeräten hinter und vor dem Ohr sowie weiteren Varianten, lesen Sie in unserem Ratgeber.
Egal, welche Art von Hörgerät Sie brauchen – DA Direkt lässt Sie bei den Kosten nicht alleine.
Was zahlt die Versicherung für Hörgeräte?
Eine Beispielrechnung:
Sie haben eine Verordnung von Ihrem HNO-Arzt vorliegen. Dann zahlt die gesetzliche Krankenkasse selbst nur Kosten von maximal 704,37 Euro pro Hörgerät. Zusätzlich gibt es eine Pauschale für individuell gefertigte Ohrstücke für Hörgeräte von jeweils 45,07 Euro sowie eine offene Versorgung mit Hörschlauch und Schirmchen von 11,61 Euro. Sind Sie nahezu taub, erhöht sich die Summe auf 734,81 Euro.
Hinweis: Man hat nur alle 6 Jahre Anspruch auf Zuschuss bzw. Erstattung von Hörgeräten gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung.
Mit einer privaten Zusatzversicherung sind Sie finanziell je nach Tarif bei Hörschäden bessergestellt. Die Krankenzusatzversicherung von DA Direkt übernimmt bis zur tariflich vereinbarten Höhe beispielsweise die Kosten für Heil- und Hilfsmittel, für die die Krankenkasse nicht aufkommt.
Alle Details zu den Kosten verschiedener Hörgeräte-Arten finden Sie in einem eigenen Ratgeber.
Häufige Fragen und Antworten zum Thema „Arten von Hörgeräten“
Wie funktioniert ein Hörgerät
Hörgeräte und andere Hörhilfen verstärken akustische Signale wie Sprache oder Musik vor dem Innenohr. Ein kleines Mikrofon nimmt das Signal auf und verwandelt es in einen elektrischen Impuls. Ein Verstärker empfängt dieses und intensiviert den Klang. Bei den neuesten Hörgeräten kommt dafür ein Chip zum Einsatz.
Schwerhörigkeit – ab wann brauche ich ein Hörgerät?
Eine Hörhilfe ist ab einer mittelgradigen Schwerhörigkeit von etwa 40 bis 60 Dezibel zu empfehlen.
Ab wieviel Prozent Hörverlust braucht man ein Hörgerät?
Ab einem Hörverlust von 30 bis 40 Prozent empfiehlt sich ein Hörsystem.
Wie lange darf ich Hörgeräte probetragen?
Meist dürfen Sie das Hörsystem für ein bis zwei Wochen testen. Vereinzelte Anbieter erlauben auch ein Probetragen für bis zu 30 Tage.
Wie oft muss ich Hörgeräte reinigen?
Idealerweise reinigen Sie Ihr Hörgerät jeden Tag, denn es sammeln sich regelmäßig Talg, Staub und anderer Schmutz daran an.
Angelika Dick, 11.02.2026