Interview „Wie finde ich den richtigen Hundezüchter?“

Viele Tierliebhaber wünschen sich einen Rassehund als Haustier – sei es wegen bestimmter rassespezifischer Charaktereigenschaften oder der besseren Vorhersehbarkeit der Größe. Neben Tierheimen und Privatpersonen vermitteln vor allem Züchter entsprechende Vierbeiner.
Doch gerade für Menschen, die sich zum ersten Mal einen Hund anschaffen, stellt sich die Frage „Wie finde ich einen seriösen Züchter mit gesunden Welpen?“. In diesem Interview mit Dr. Carolina Bauer, die lange Jahren als Pflegestelle für Zuchthunde aktiv war, erfahren Sie es.

DA Direkt im Interview mit Dr. Carolina Bauer:

DA Direkt:
"Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast. Viele Hundefans tun sich schwer damit, gewissenhafte Züchter von schwarzen Schafen zu unterscheiden. Wo finden Tierliebhaber deiner Erfahrung nach einen seriösen Hundezüchter?"
Dr. Carolina Bauer:
"Als allerersten Bezugspunkt würde ich die Website vom VDH wählen. Das ist der Verband für das Deutsche Hundewesen. Dort gibt es Informationen zu jeder Rasse, für die man sich interessiert. Außerdem gibt es ein Verzeichnis mit anerkannten Züchtern, die gemäß der Zuchtordnung des VDH züchten.
Auch wenn auf einer Website mit Fotos gearbeitet wird, die Zucht-Hündinnen sowie deren Gesundheitsuntersuchungen aufgelistet sind, spricht das für einen seriösen Züchter. Umso mehr, wenn dieser mit dem eigenen Welpen-Nachwuchs weiterzüchtet. Auch sollte es Interessenten möglich sein, zum Züchter zu fahren und die Hündinnen kennenzulernen, die dort leben. Außerdem sieht man dann, wie die Hygienestandards vor Ort sind. Ein persönlicher Kontakt und Transparenz sind sehr wichtig."
DA Direkt:
"Was sind für dich die drei Hauptmerkmale eines seriösen Hundezüchters?"
Dr. Carolina Bauer:
"Das sind für mich:
- Nachgewiesene Gesundheitsuntersuchungen von Zuchthündinnen und -rüden
- Der Zustand der Zuchthündinnen – wenn ich sehe, dass die Hündin zum Beispiel massiv abgemagert ist, dann stimmt etwas nicht. Auch wenn Hündinnen während des Säugens abnehmen, ist extremes Untergewicht ein Warnzeichen. Das heißt, sie haben Stress oder bekommen nicht genug Futter.
- Transparenz – das heißt, wie klar kommuniziert der Züchter hinsichtlich der Zuchtziele, der Anzahl der Würfe und den Ansprüchen an Welpenkäufer."
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DA Direkt:
"Worauf sollten Hundefreunde bei der Wahl eines Züchters noch achten?"
Dr. Carolina Bauer:
"Ich würde zu keinem Züchter fahren, der die Welpen alleine über ein Bild mit der ersten Woche schon verkaufen will – und das vielleicht auch noch mit einer hohen Anzahlung im Voraus. Einen Welpen sollte man sich ab einem Alter von drei Wochen persönlich ansehen können. Dann sind die Augen geöffnet und die größte Infektionsgefahr ist vorbei.
Wenn die Welpen etwa fünf bis sechs Wochen alt sind, sollten sie die Möglichkeit haben, die Welt zu erkunden. Das ist in der Prägephase unfassbar wichtig. Zum Beispiel, dass die Welpen sehr viele verschiedene Untergründe wie Gras, Holzfußböden oder Steinplatten kennenlernen. Auch, dass sie kleine Ausflüge machen, beispielsweise zu einem Bahnhof, um ihnen die Angst vor Zügen zu nehmen. Meine Hündin Rapunzel hat die ersten sechs Monate in einem Stall verbracht – ihr musste ich dann mühsam beibringen, dass Mülltonnen ungefährlich sind und keine Hunde fressen.
Ein guter Züchter kennt alle seine Welpen. Er kann genau sagen, welchen Charakter ein Welpe hat und ob er zu seinen möglichen neuen Besitzern passt. Achtet der Züchter nicht auf diese Passung, ist das ein schlechtes Zeichen. Und wenn ein Züchter in epischer Länge erzählt, wie toll sein Hund ist, dann ist das in der Regel jemand, der die Hunde zumindest liebt."


Laden Sie die Checkliste mit den Merkmalen eines guten und seriösen Züchters gleich hier herunter
DA Direkt:
"Was sollte man einen Hundezüchter fragen?"
Dr. Carolina Bauer:
"Ich würde ihn auf jeden Fall fragen, wie oft die Tiere entwurmt werden. Bei einem guten Züchter ist das meist alle zwei Wochen der Fall. Wenn er gute Gründe nennen kann, warum er seltener entwurmt (beispielsweise stattdessen Kotproben zur Untersuchung abgibt), ist das auch okay. Auch nach dem Impfstatus der Hundemutter würde ich mich erkundigen. Denn der Impfschutz der Mutter wird beim Säugen an die Welpen weitergegeben, wovon diese in den ersten Lebenswochen profitieren."

DA Direkt:
"Was sind Warnzeichen, dass beim Hundezüchter etwas nicht stimmt?"
Dr. Carolina Bauer:
"Zum Beispiel, wenn Häufchen rumliegen, in denen Würmer rumkrabbeln. Ganz generell mangelhafte Hygiene. Oder wenn die Hündinnen in einem stark abgemagerten Zustand oder aggressiv sind. Auch wenn keine Muttertiere zu sehen sind, ist das befremdlich.
Und an der Schlafstelle der Welpen sollte es warm sein. Sonst leiden diese womöglich an Zwingerhusten - das war bei Schneewittchen, meiner zweiten Hündin, der Fall."
DA Direkt:
"Was würdest du beim Aussuchen eines Welpen noch beachten?"
Dr. Carolina Bauer:
"Wie die Welpen selbst sich verhalten. Das sagt sehr viel aus. Sind sie aktiv oder liegen sie lethargisch in der Ecke. Letzteres könnte ein Krankheitsmerkmal sein. In puncto Gesundheitszustand könnte man sich auch noch anschauen, ob alle Zähnchen da sind, die Hunde Ohrenentzündungen haben und wie die Krallen aussehen.
Außerdem ist der Charakter extrem wichtig. Dieser ist auch wichtiger als die Farbgebung. Ich bin mit meinen Hunden beispielsweise jeden Tag an die 12 Kilometer unterwegs und da wird ein „Hunde-Couchpotato“ nicht glücklich. Wobei da natürlich auch schon die Entscheidung für die passende Hunderasse eine Rolle spielt. Wenn ich mit einer französischen Bulldogge Sport machen will, dann habe ich leider die falsche Rasse gewählt."
DA Direkt:
"Wie verhalten sich Leser richtig, wenn sie merken, dass bei einem Züchter Hunde leiden?"
Dr. Carolina Bauer:
"Ich würde das Veterinäramt anrufen. Wenn ich sehe, dass ein Hund wirklich leidet und dem Züchter das relativ egal ist, dann melde ich mich dort."
DA Direkt:
"Was sollten Leser beachten, wenn sie selbst Pflegestelle für Hunde werden wollen?"
Dr. Carolina Bauer:
"Wenn Leser selbst als Pflegestelle für Hundemütter aus der Zucht fungieren wollen, sollten sie den Züchter sehr gut kennen. Man muss sich sicher sein, dass es der Hündin beim Züchter gut geht – denn dort verbringt sie acht Wochen des Jahres. Man muss dem Züchter vertrauen, dass er immer im Sinne der Hunde handelt. Und der Züchter muss ebenso darauf vertrauen, dass die Pflegeperson nicht auf die Idee kommt, die Hundemutter kastrieren zu lassen. Denn sonst ist es mit der Zucht vorbei.
Wenn die örtlichen und persönlichen Gegebenheiten passen, dann kann die Hündin bei der Pflegestelle die Welpen bekommen. Das ist weniger stressig für die Hündin. Über den Aufwand, den ein Wurf Welpen bedeutet, muss man sich allerdings vorher im Klaren sein.
Und die Entfernung zum Züchter sollte natürlich nicht zu groß sein, weil dieser die Pflegestelle, bis die Welpen aus dem Gröbsten raus sind, tatkräftig unterstützt.
Für Tierfreunde, die als Pflegestelle für Hunde aus dem Tierschutz aktiv werden wollen, lohnt es sich, in die genauen Regularien und Bedingungen der jeweiligen Organisation zu schauen."
DA Direkt:
"Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Was macht Australian Shepherds zu deinen absoluten Lieblingshunden?"
Dr. Carolina Bauer:
"Einfach Alles. Die sind so extrem schlau, wenn man nicht aufpasst, dann binden sie einem praktisch ihre eigenen Regeln auf. Und sie sind so unfassbar einfühlsam. Außerdem sind sie sehr lernwillig – selbst meine elfeinhalb-jährige Hündin war total begeistert, als ich ihr noch Tricks beibringen wollte. Der Aussie hat diesen sogenannten „Will to please“ – das heißt, der Hund macht alles, um vom Halter gelobt zu werden.
Und mich begeistert auch diese Agilität, die sie an den Tag legen: Wir machen zweimal die Woche eine große Radtour mit ihnen. Außerdem sind sie sehr anpassungsfähig: ich nehme meine drei Hündinnen beispielsweise seit vier Wochen mit ins Büro – und sie kommen super mit der neuen Umgebung klar."
DA Direkt - Redaktion, 12.06.2026

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