Je nachdem, an welchen Stellen in Ihrem Gebiss, Sie Zahnersatz benötigen, unterscheidet man zwischen Zahnprothesen für Oberkiefer und Unterkiefer. Dabei kommt es auch darauf an, wie viele natürliche Zähne bei Ihnen fehlen. Der Zahnarzt bespricht mit Ihnen vor der Behandlung ausführlich die unterschiedlichen Zahnersatz-Möglichkeiten und die entstehenden Kosten.
Vollprothese
Bei den klassischen Zahnprothesen handelt es sich um Zahnersatz, den Sie herausnehmen können, zum Beispiel, um ihn zu reinigen. Fehlen Ihnen im Ober- oder Unterkiefer alle Zähne, schlägt Ihnen Ihr Zahnarzt zum Beispiel eine Total- oder Vollprothese mit Gaumenplatte aus Metall vor.
Die Vollprothese besteht aus rosafarbenem Kunststoff (PMMA), an dem die künstlichen Zähne befestigt sind. Im Mund liegt sie direkt auf dem Kiefer auf und direkt an Ihrer Mundschleimhaut. Durch den Speichel zwischen Kiefer und Prothese entsteht ein Unterdruck, der die „dritten Zähne“ hält. Es gibt mittlerweile auch Vollprothesen im Oberkiefer ohne Gaumenplatte, die gut halten. Zahnprothesen im Unterkiefer haften in der Regel nicht so gut, da weniger Ansaugfläche als im Oberkiefer vorhanden ist. Das kann sich beim Kauen oder Sprechen bemerkbar machen.
Gut zu wissen: Die Kosten für Vollprothesen sind im Vergleich zu anderen Arten von Zahnersatz gering, da die Material- und Laborkosten niedrig sind. Außerdem ist diese Zahnprothesen-Art die Regelversorgung bei einem zahnlosen Kiefer. Das bedeutet: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen mindestens 60 Prozent der Kosten für diese Art der Zahnprothese. Bei lückenlosem Bonusheft kann der Zuschuss auf bis zu 75 % steigen. Die Bedingung dafür ist allerdings, dass die gesamte Arbeit nach den Kriterien der festgelegten Regelversorgung angefertigt wird – leider entspricht dies nicht dem heutigen Kenntnistand der Zahnmedizin.
Klammer- oder Teilprothese
Müssen bei Ihnen nur einzelne Zähne ersetzt werden, reicht zum Beispiel eine Klammer- oder Teilprothese für den Oberkiefer oder Unterkiefer aus. Dabei wird die Zahnprothese mit Klammern aus Metall an Ihren natürlichen Zähnen befestigt. Solche Teilprothesen kosten in der Regel mehr als Vollprothesen, da sie aufwändiger herzustellen sind.
Teleskopprothese
Diese Zahnprothesen-Art ist eine Teilprothese, die aus einem festen und einem herausnehmbaren Element besteht. Dafür werden noch vorhandene eigene Zähne abgeschliffen und mit Kronen aus Metall oder Keramik überzogen, den sogenannten Primärkronen, auch Innenteleskope genannt. Diese sehen nicht aus wie Zähne, sondern haben die Form von Kegeln. Am herausnehmbaren Teil der Prothese befindet sich das Gegenstück dazu, die Sekundärkronen oder Außenteleskope, die wie echte Zähne aussehen. Innen- und Außenteleskope passen exakt ineinander, sodass die Zahnprothese in Ihrem Oberkiefer oder Unterkiefer stabil sitzt.
Der Teleskop-Zahnersatz kommt für Patienten infrage, die einzelne Zähne im Ober- oder Unterkiefer ersetzen lassen möchten und bereit sind, mehr Geld als für eine Klammerprothese auszugeben. Die Kosten für eine Teleskopprothese fallen höher als zum Beispiel für eine Klammerprothese aus, da die Herstellungs- und Behandlungskosten höher sind. Dabei zahlen die gesetzlichen Krankenkassen für eine Teleskopprothese nur einen Festzuschuss, der 60 bis 75 Prozent der Kosten der Regelversorgung (z. B. Klammerprothese) abdeckt. So fällt Ihr verbleibender Eigenanteil entsprechend höher aus. Weiterer Nachteil der Teleskopprothese: Gesunde Zähne, an denen das Innenteleskop angebracht wird, müssen beschliffen werden.
Implantatgetragene Prothese
Haben Sie nur noch wenige oder keine eigenen Zähne mehr, kann eine Prothese auch auf Implantaten befestigt werden. Ihr Zahnarzt setzt die Implantate durch einen chirurgischen Eingriff direkt in Ihren Kieferknochen ein. Darauf kann er eine Prothese oder Brücke besonders stabil verankern. Diese Zahnprothesen-Art ist teurer als andere Varianten, da die Behandlung aufwändig ist und die Implantate nicht zur Regelversorgung gehören.
All-On-X – alles auf X Implantaten
All-On-X ist ein Begriff für die Versorgung eines kompletten Ober- oder Unterkiefers mit Zahnersatz auf Implantaten. Wörtlich übersetzt „ Alles auf X Implantaten“.
Für diese Art von implantatgetragenem Zahnersatz gibt es verschiedene Konzepte, sowohl für herausnehmbaren aber auch bei festsitzendem Zahnersatz.
Dabei können die Implantate in einem zahnlosen Kiefer gesetzt werden oder bereits gleichzeitig mit der Entfernung von nicht erhaltungswürdigen Zähnen. Beide Methoden lassen sich mit einem sofortigen Provisorium ergänzen. Dann spricht man von Sofortimplantation mit Sofortversorgung.
Der große Vorteil bei der gleichzeitigen Sofortversorgung ist, dass dies alles in einer Behandlungssitzung stattfindet. Moderne digitale Systeme machen es möglich, aus den dreidimensionalen Daten des Patienten eine optimale Planung für den Zahnersatz und die Position und Anzahl der Implantate zu erstellen. Dafür werden lediglich ein 3D-Röntgenbild sowie ein Intraoralscan und Fotos benötigt. Alle benötigten Teile wie Bohr- und Orientierungsschablonen sowie das Provisorium werden vorgefertigt und dazu die benötigten Implantatteile ausgewählt.
Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass Implantate nur dort gesetzt werden, wo Knochen vorhanden ist und ein aufwändiger Knochenaufbau so vermieden wird. Dies spart Zeit und weitere operative Eingriffe. Diese Systeme bieten eine besonders hohe Zuverlässigkeit für den gewünschten Behandlungserfolg.
Der provisorische Zahnersatz dient als Vorlage für den definitiven Zahnersatz und kann mit wenigen Korrekturen nach ca. 6 Monaten eingesetzt werden. Durch das Provisorium werden auch dabei viele Behandlungsschritte eingespart.
Zu jedem Zeitpunkt der Therapie hat der Patient feste Zähne und damit eine hohe Sicherheit und Tragekomfort im Alltag.
Die Kosten für dieses moderne Verfahren sind besonders abhängig von den Laborkosten für den definitiven Zahnersatz sowie vom verwendeten Implantatsystem. Sie belaufen sich auf ca. 15.000 - 30.000 € pro Kiefer.