Sie sind auf der Landstraße unterwegs. Plötzlich taucht hinter der nächsten Kurve ein langsamer Traktor auf. Jetzt heißt es runter vom Gas und auf die Bremse drücken, um einen Auffahrunfall zu vermeiden. Was viele Autofahrer nicht wissen: Der Bremsassistent unterstützt sie dabei, die Geschwindigkeit des Fahrzeugs schneller zu reduzieren. Wie der Assistent funktioniert und warum er zur Sicherheit im Straßenverkehr beiträgt, lesen Sie im DA Direkt Ratgeber.
Viele Autofahrer bremsen zu zaghaft
Bevor der Bremsassistent entwickelt wurde, haben Unfallforscher die Daten zu Auffahrunfällen ausgewertet. Zu geringer Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und nicht angepasste Geschwindigkeit waren die Ursachen für die meisten dieser Unfälle. Zudem stellte sich heraus, dass Fahrer oft zu zögerlich bremsen – also zu langsam oder zu schwach auf das Pedal treten.
Dafür gibt es unterschiedliche Begründungen: Vor allem ungeübte Fahrer bremsen zunächst mit dem nötigen Druck, erschrecken aber, wenn sich das Anti-Blockier-System (ABS) einschaltet. Da das Pedal zu vibrieren beginnt, lassen sie es schnell wieder los. Andere Fahrer befürchten, dass die Bremsen kaputt gehen, wenn sie zu stark auf das Pedal drücken. So nutzt mehr als ein Drittel der Fahrer nicht die volle Bremskraft, um das Auto so schnell wie möglich zum Stehen zu bringen.
Mit dem Bremsassistenten lassen sich viele Auffahrunfälle entweder vermeiden oder zumindest abschwächen. Trifft ein Fahrzeug mit geringerer Geschwindigkeit auf ein Hindernis, sind die Verletzungen von Personen leichter und die Schäden am Fahrzeug geringer. Die Energie beim Aufprall leitet sich aus dem Quadrat der Geschwindigkeit ab. Kurz: die doppelte Aufprallgeschwindigkeit führt zur vierfachen Aufprallenergie. Entsprechend verhalten sich die entstehenden Schäden.
So funktionieren die Bremsen am Auto
Die meisten Fahrzeuge verfügen heute über eine Scheibenbremse. Tritt der Fahrer auf das Bremspedal, wird der Druck über die Bremsflüssigkeit an die Bremszangen der vier Räder weitergeleitet. Die Kraftübertragung erfolgt hydraulisch. Dabei drückt die Flüssigkeit die Bremsbeläge an die Bremsscheibe, die sich an jedem Rad befindet und sich mit dem Rad dreht. Durch die Reibung, die dabei entsteht, wird das Fahrzeug langsamer. Je stärker der Fahrer das Bremspedal drückt, umso höher ist die Reibung und umso schneller verringert sich die Geschwindigkeit des Fahrzeugs.
In den vergangenen Jahren haben Hersteller verschiedene Fahrassistenzsysteme für die Bremsanlage entwickelt. Dazu zählen das Anti-Blockier-System (ABS), das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) – und der aktive Bremsassistent.
Was macht ein Bremsassistent?
Das Assistenzsystem verstärkt die Bremskraft, die der Fahrer auf das Pedal ausübt, um einen Auffahrunfall zu vermeiden. Mercedes-Benz baute den ersten Assistenten im Jahr 1996 in seine Wagen der S-Klasse ein. Inzwischen gehört der Bremsassistent zur Standardausstattung moderner Fahrzeuge. Seit 2011 ist er Pflicht in allen Neufahrzeugen, die in der EU zugelassen sind.